Alternativ zu Hedge-Fonds kann Alpha auch aus traditionellen Long-Only-Fonds extrahiert werden. Um an das pure Alpha zu kommen, muss das Marktrisiko des Fonds durch Hedging eliminiert werden. Dies kann beispielsweise durch Futures oder Swaps geschehen. Als Alpha-Quelle eignen sich in erster Linie Fonds, die in weniger effizienten Märkten investieren. Large Caps sind weniger als Alpha-Quelle geeignet. Sie gelten als äußerst informationseffizient, da eine Vielzahl von Marktteilnehmern und Analysten dafür sorgen, dass verfügbare Informationen schnell in die Preisbildung einfließen.
Tabelle 3.2 zeigt den Alpha-Median unterschiedlicher Anlagestrategien amerikanischer Fondsmanager. Es wird deutlich, dass die Wahrscheinlichkeit Alpha mit einem Large-Cap-Portfolio zu erzeugen eher gering ist. Der Alpha-Median lag im beobachteten Zeitraum zwischen April 1994 und März 2003 bei nur 0,58 Prozent. Deutlich mehr Alpha-Potenzial kann im Small-Cap-Segment erwartet werden. Hier lag der Median bei 3,78 Prozent. Noch mehr Alpha war mit Small Cap Growth zu erzeugen. Dies lässt sich darauf zurückführen, dass im betrachteten Zeitraum Growth-Titel den Value-Titeln überlegen waren. Anders als im Large-Cap-Segment ist das Small-Cap-Segment eher von Ineffizienzen geprägt. Im Gegensatz zu den Standardwerten finden Small Caps weniger Beachtung von den Analysten und ziehen nur wenig Aufmerksamkeit auf sich. Fast die Hälfte der Small-Cap-Fonds hat 1999 bezogen auf die vergangenen fünf Jahre den Russel 2000 Index geschlagen.1
| Anlagestil | Alpha | Active Risk |
|---|---|---|
| Large Cap Core | 0,58 | 3,94 |
| Large Cap Growth | -0,03 | 7,25 |
| Large Cap Value | 1,96 | 5,94 |
| Small Cap Core | 3,78 | 7,87 |
| Small Cap Value | 1,89 | 7,86 |
| Small Cap Growth | 7,41 | 11,22 |
| Core Fixed Income | 0,17 | 1,00 |
| High Yield | 1,16 | 3,29 |
| Emerging Market | 2,93 | 9,92 |
| Non US Equity | 3,18 | 7,99 |
| Non US Fixed Income | 1,11 | 4,08 |
| Real Estate | 1,83 | 3,38 |
Tabelle 3.2: Anlagestile: Median Manager-Alpha und Aktive Risk, zwischen April 1993 März 2003.
Quelle: eigene Darstellung, Daten: Kung/Pohlman (2004), Portable Alpha, in: Journal of Portfolio Management, Vol. 30, S. 78-87, S. 84.
Long-Only-Investmentfonds bieten eine Reihe von Vorteilen gegenüber Hedge-Fonds als Alpha-Quelle.2 Ein Vorteil dieser Methode der Alpha-Gewinnung ist, dass die Investmentphilosophie des Fondsmanagers bekannt ist. Hedge-Fonds sind eher verhalten, was die Offenlegung ihrer Vorgehensweise angeht und werden deshalb in diesem Bezug als Black-Box bezeichnet, von der nur bekannt ist, was am Anfang reinkommt, und am Ende wieder herauskommt. Während der Erfolg eines Hedge-Fonds im großen Maße von dem einzelnen Manager abhängig ist, haben Investmentfonds konkrete Investmentprozesse und weisen langjährige Track Records auf, anhand derer potentielle Fonds erkannt werden können.
Als Nachteil kann die notwendige Separation des Beta-Exposures der Long-Only Alpha-Quelle und der damit verbundene organisatorische Aufwand der Risikokontrolle, die hierfür notwendig ist, genannt werden. Zudem fallen zusätzliche Kosten für die Alpha-Beta-Separation an, die einen Teil der Alpha-Erträge schnell wieder aufzehren können. Spezielles Know-how ist erforderlich um potenzielle Alpha-Quellen aufzuspüren, als auch für die regelmäßige Kontrolle der Performance.