AlphaGourmet

Einleitung

AlphaGourmet

Einleitung

Nach Thomas S. Kuhn geschehen Paradigmenwechsel nicht aufgrund eines fortschreitenden Wissenserwerbs, sondern indem sich eher revolutionär ein Wandel vom Alten zum Neuen vollzieht:

Sowohl bei der politischen als auch bei der wissenschaftlichen Entwicklung ist das Gefühl des Versagens, das zu einer Krise führen kann, Voraussetzung für eine Revolution.1

Erst Veränderungen der Sichtweise können zu einer anderen Wahrnehmung der gleichen Umstände und Fakten führen. Das Platzen der Dot-Com-Blase, die nachfolgende Baisse am Aktienmarkt und die niedrigen Renditen am Anleihemarkt können nach Bernstein (2006b) als Auslöser für eine neue Sichtweise im Asset Management betrachtet werden.2

In der Vergangenheit wurde Alpha als Anhängsel eines Fondsmanagers betrachtet, der in einen bestimmten Markt investiert. Derivate ermöglichen aber die Trennung von marktunabhängigen (Alpha) und marktabhängigen Renditen (Beta). Aufgrund der Loslösung vom Gedanken, dass Alpha und Beta verschmolzen sind, wird sich der Prozess der Asset Allocation zunehmend ändern.3 Das Beta-Exposure kann aus kostengünstigen passiven Produkten bezogen werden und das Alpha eines Portfolios oder Managers einer ganz anderen Asset-Klasse in das eigene Portfolio »transportiert« werden, ohne dabei das Marktrisiko zu verändern.

Auch ohne diese Entwicklung bekommen Anbieter aktiv gemanagter Investmentfonds zunehmend von passiven Produkten Konkurrenz. Fonds, die dem Investor keinen Mehrertrag bieten, werden sowohl von institutionellen Investoren als auch von privaten Anlegern zunehmend durch Indexfonds oder Exchange Traded Funds (ETF) eingetauscht.4 Diese sind günstiger und schneiden vor allem in steigenden Märkten besser ab als aktiv gemanagte Fonds. Anleger sind deutlich kritischer und schauen verstärkt auf kostengünstige Möglichkeiten. Nur im Fall außerordentlicher Erträge sind sie bereit einen Mehrbetrag an Gebühren zu zahlen. Anbieter aktiver Produkte müssen darauf reagieren und dem Investor einen Mehrwert bieten. Die Verbreitung von Hedge-Fonds und die damit verbundene Anerkennung von Leerverläufen führen zur Akzeptanz der Loslösung der Long-Only-Beschränkung traditioneller Investmentfonds. Mittels der sogenannten 130/30 kann die Effizienz des aktiven Managements erhöht werden.5


 

 


  1. 1 Thomas S. Kuhn zit. bei Drosdek (2005), Die wichtigsten Philosophen für Manager, in: Handelsblatt Management Bibliothek, Band 7, Frankfurt/Main: Campus.S. 184.
  2. 2 Vgl. Bernstein (2006b), The Great Alpha Merry-Go-Round, in: Journal of Portfolio Management, Vol. 32 Issue 3, S. 1.
  3. 3 Vgl. Green (2006), Separating Alpha and Beta: What’s the Big Idea? Get Ready for a Revolution, in: Institutional Investor, Vol. 40, S. 6f.
  4. 4 Vgl. Hill (2006), Alpha as a Net Zero-Sum Game – How serious a constraint?, in: Journal of Portfolio Management, Vol. 32 Issue 4, S. 26.
  5. 5 Vgl. Alford (2006), Demystifiying the Newest Equity Long- Short Strategies: Making the Unconventional Conventional, www.goldmansachs.com, (15.05.2007). S. 1.